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DL2BQD Gedanken über Sprache Die Umwelt formt den Menschen Von Funktionären, Kollektiven, Zentralorganen oder so...
” Worte, Worte, Worte” Shakespeare
Diese Zeilen schreibe ich zwischen Frühstück und Mittagessen am 11. November 2006, Faschingszeit.
Hier steht also keine wissenschaftliche Abhandlung.
Wenn Du die Chronik oben aufmerksam gelesen hast, merkst Du, dass auch hier die Sprache bestimmte charakteristische Eigenheiten hat. Das ist nicht unnormal. Sprache ist immer an ihre Umwelt gebunden; das spürte man auch im Wortschatz, im Satzbau und besonders in der Tagesterminologe in der DDR. Sprache ist aber auch immer Mittel zum Zweck gewesen. Nicht umsonst gab es die Bibel lange Zeit nur auf Lateinisch, und nicht ohne Grund übersetzte Luther sie ins Deutsche.
Ein sehr gutes Beispiel für Sprachanalyse gibt Victor Klemperer in seinem Buch LTI - Sprache des Dritten Reiches. (Siehe dazu auch Walter Nowoisky zu V. Klemperer, Tagebuch auf CD) Du sollst aber wissen, dass sich Worte aus jener Zeit noch bis heute gehalten haben! ...bis zur Vergasung, Assi, Bombenwetter, Bombenstimmung, Menschenmaterial,... alles eigentlich faschistoides Vokabular.
Noch Ende der 40er Jahre spielten wir auf dem dörflichen Schulhof ein Spiel, bei dem mit dem Taschenmesser auf einer in den Boden geritzten Landkarte Länder zerstückelt wurden. Der Spieler begann seine ‘Messeraktion’ mit dem Satz: Ich habe den Haß auf...und nannte ein Land.
Kennst Du diese Worte noch? Lebensmittelmarken, Stromsperre, HO, MTS,. MAS, LPG...Pionierhaus, Parteiversammlung, Parteiverfahren...
DEFA Film, Karbid und Sauerampfer Erwin Strittmatter , Roman“Tinko” Neubauer, Heimkehrer, Umsiedler, “Junkerland in Bauernhand”, Bodenreform
D D R: Kollektiv - heute sagte man Gruppe, Team; eine Gruppe von Menschen, die aber an einem gemeinsamen Ziel in einer bestimmten Organisationsform arbeiten. Brigade - war eine solche Organisationsform; vielleicht trifft Team die Bedeutung; Brigade war eher für Gruppen in Betrieben, handwerklichen Strukturen, weniger im Verwaltungsbereich zutreffend. Brigadier - ein Leiter einer Brigade. MAS - Maschinen - Ausleihstation
Sieh' dir 'mal den DDR -Film Spur der Steine an. Da ist Brigadeleben sichtbar! Zentralorgan - bedeutete in den meisten Fällen auch 'wichtigstes Presseorgan' einer Organisation Grundorganisation, GO-die unterste Organisationsform des Vereins, der Gruppe. Zentralvorstand- oberste Leitung. Funkmehrkampf - militärisch orientierter Sport: Laufen, Orientierung, Schießen, Funken Technik, die Technik spielt nicht - Gerät, Gerätschaft funktioniert nicht MMM , Messe der Meister von Morgen - Initiative, um junge Leute zur innovativen Arbeit anzuregen VEB - Volkseigener Betrieb
Weitere Beispiele kannst Du sicher selbst einfügen.
Interessant ist der Wortschatz auch im Lied und Film der Nachkriegszeit.
Nimm Dir eine heute zusammengestellte CD mit Liedern aus der DDR-Zeit, und Du wirst sehr schnell auf Texte stoßen, die propagandistisch verdeutlichen, dass “Die Partei immer Recht hat” oder haben wollte. Und nimm Dir aber auch eine CD mit Kinderliedern oder die Texte aus dem DDR -Sandmann, Frau Elster, Pittiplatsch oder eine Figur aus einer anderen Kindersendung, und Du wirst in allen keine Kriegsverherrlichung finden; Solidarität, Friedensgedanke, Freundschaft spielen eine große Rolle. Natürlich war alles dem Gedanken untergeordnet, die Diktatur des Proletariats und keinen kapitalistischen Staat zu schaffen. Bei Deinen Untersuchungen kannst Du feststellen, wie “Wort von der Umwelt” geprägt wird! Im Dezember 2006 werden zum 100. Geburtstag von Erwin Geschonneck Filme wiederholt. Sieh’ Dir ‘mal die Titel und Inhalte an! (Quelle:DEFA Filme)
Literatur : Von Aluchip bis Zentralorgan, Eulenspiegel Verlag, Berlin, 2007 (2006)
In den 50er Jahren kam Musiklehrer, Herr W., mit seiner Geige in die Ostschule in Gera. Das haben wir damals gelernt:
Höre, Kind vom Schwabenland Höre, Kind aus Bayern Fasst euch fester bei der Hand Diesen Tag zu feiern Kind, ob du vom Rheine bist Oder von der Elbe Unsre deutsche Sprache ist Überall die selbe |
Unsre Herzen sind verwandt Zwischen hier und drüben Ist’s doch unser Vaterland Das wir alle lieben Denn wir haben längst erkannt Die kann niemand trennen Die das schöne deutsche Land Ihre Heimat nennen |
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Aktivist- jemand , der hervorragend arbeitet, ABV- Abschnittsbevollmächtigter, für einen Bereich im Ort verantwortlicher Volkspolizist ,Straße der Besten - großformatige Tafeln mit Porträtfotos von sehr guten Werktätigen , Ernst-Schneller-Medaille - Ernst Schneller: 1890-1944 KPD, im KZ ermordet, JP -Junge Pioniere, Kinderorganisation in der DDR, FDJ - Jugendorganisation Freie Deutsche Jugend, Subbotnik - freiwilliger Arbeitseinsatz, ursprünglich am Samstag, ABF- Arbeiter- und - Bauern - Fakultät, junge Leute konnten dort ihr Abitur ablegen
Erinnerst Du Dich noch?
In den 50er Jahren war es in der DDR ziemlich verpönt, der 'westlichen Kultur' zu frönen. Jeans waren nicht gern gesehen, Frauen in Jeans schon gar nicht. Die bequemen und praktischen - meist grünen - dünnen Nylonmäntel wurden Nato-Planen genannt. Antennen, die wegen ihrer Grösse auf Frequenzen zum Westempfang hinwiesen, waren Ochsenkopfantennen (Standort des Senders!) Musiksendungen hatten einer Quote zu folgen, bestimmte Prozentzahl Ostlieder, nur der Rest westliche Produktion...sogar ein eigener Tanz, der Lipsi, wurde kreiert. Es gab die Gebote der sozialistischen Moral und Ethik und Pioniergesetze - hier wurde ein Wertekanon vorgegeben. Er war in seiner tiefen Bedeutung für ein soziales Zusammenleben der Menschen schon wertvoll. Heue beklagt man das offensichtliche Fehlen von notwendigen Werten besonders bei Heranwachsenden...
Die Wende ist hier hinlänglicher Begriff für Wiedervereinigung, reunification; die Begriffe Ossi und Wessi bezeichnen ironisch, aber auch mit etwas Bitterkeit die Einwohner in den beiden Landesteilen.
Natürlich spiegelt sich auch wider, dass unmittelbar nach der Wende ein Heer von Beamten kam, um den Osten das Regieren zu lehren: Aufbau der Landes- und Ministerialbürokratie. umlagenfinanzierte Sozialversicherung, Sonderbedarfsbundesergänzungszuweisungen, Solidarpakt, Finanzzuweisungen des Bundes zum Ausgleich der Kosten der politischen Führung, Dünnbesiedlerprivileg, Fehlbetragsbundesergänzungszuweisungen, Einwohnerveredlung, Strukturentwicklungsmittel... Wer mag, kann das fortführen.
2006 wirbt ein Sender mit 'der besten Musik für Brandenburg' - die meisten Titel sind in Englisch gesungen. Na, fein. Ein Trainer oder Übungsleiter heisst heute coach, ein Boxer oder eine Mannschaft fighten verbissen, und der penalty - oft noch auf der falschen Silbe betont - peinlich, peinlich - muss den Strafstoss ersetzen. Und auch die Funkamateure sind nicht ganz schuldlos an der Sprachverhunzung, wenn sie ihr 'poteibel' ins Mikro sprechen.
Also auch heute ist die Veränderung unserer Sprache zu beobachten, oftmals auch als Verflachung, Bedeutungsentleerung oder auch als Verschleierung von Inhalten
Das beste Beispiel, das soziale Veränderungen treffend beschreibt, ist das Wort W e n d e h a l s für einen Menschen, der sich in der DDR aktiv engagierte und in der BRD angekommen, flugs ein ganz neuer Mensch wurde und nie etwas mit der DDR zu haben wollte - ein Schabowski-Typ sozusagen. Sollten morgen Gullivers Liliputaner an die Macht kommen, dann war unser Wendehals eigentlich immer schon unter 1,50 klein - er wurde nur gezwungen, etwas mehr zu wachsen. Armer Kerl ! Eigentümlicherweise ruft das Wort Wendehals bei Kennern ähnliche Assoziationen hervor wie das neue Wort G a m m e l f l e i s c h
Wort des Jahres 2006: Fanmeile.
ALG - ArbeitsLosenGeld, Nullwachstum - Euphemismus für Stagnation, Minuswachstum, Humankapital ; Fachmoderatoren - früher Fachberater, Visitatoren - in Schulen Besuch von Fachleuten, Rückbau - Umschreibung für Abriss Rentnerschwemme, shoppen - Freizeitbeschäftigung, Hobby Kropfschwabe ( einer, der die Nase voll hat, kurz vorm Platzen), der deutsche Eckrentner ( im Durchschnitt 40 Arbeitsjahre, Durchschnittsverdienst) Grundsicherung, was immer das heißen mag; ltersvorsorge, workshop, Lehrermangel, Servicewüste, Prekariat ( Bezeichnung für neue Schicht von Arbeitslosen, die in der Regel hoch qualifiziert sind, aber keinen regelmäßigen Verdienst/ Arbeit haben, z.B. Architekten, Künstler, Ingenieure, auch gering verdienende Ãrzte.. Multiple-Choice -Aufgaben mit Einfachauswahl ( Beamtendeutsch!!) Lernhilfen .... ethnische Säuberung, Überfremdung, soziale Hängematte, Abgehängte, armutsgefährdet - Euphemismus für arm
Es ist interessant, wie sich im Wort politisch-ökonomische und bedingt sozio-kulturelle Sachverhalte und ihre Veränderung widerspiegeln.
Gutes Beispiel dafür ist Klimaflüchtling. Und was ist mit den Klassikern Arbeitgeber - Arbeitnehmer? Wer g i b t eigentlich Arbeit(skraft) an wen? Und wer n i m m t Arbeit?
Und welche Beispiele kennst Du?
Die so unrühmliche Rechtschreibreform aus den letzten Jahren hat noch dazu viel Geld gekostet, zur wirklichen Reformierung oder Verbesserung gar hat sie nicht viel beigetragen. Diese Reform ist gar nicht cool. So häufig dieses Wort heute auch gebraucht wird, Teil der Jugendsprache - es ist ein typisches Wort und Beispiel für sprachlich Ökonomie einerseits, für Oberflächlichkeit andererseits, das eher Sachverhalte nicht einmal blass umschreibt, beim Gespräch nur auf gemeinsame, ungenaue Verständnis-Assoziation setzt und eigentlich die Mühe vermeidet, genau zu denken und dann noch genau zu benennen oder zu beschreiben. Die Reform könnte ja einfach nur schlecht, unfertig, dilettantisch gemacht, gar falsch sein... Flachheit, aber auf Englisch sozusagen. Man kann ja Englisch!
Und ist Dir schon die Wendung und so oder oder so aufgefallen? Wie häufig sie gebraucht wird? Ich habe Dir soeben etwas über Sprache und so geschrieben. Na, prima! So, wie es also in einer Zeit Sprachverwerfungen gab, gibt es diese in der anderen Zeit auch. Funktionärssprache damals und Politikersprache heute. Was ist eine geflügelte Jahresendfigur - ein Engel zur Weihnachtszeit damals im Osten - verglichen mit den Wörtern Kollateralschaden, Unterschicht, enduring freedom, Nullwachstum, friendly fire, sozialverträglich, Stasivergangenheit, Seilschaft oder Stadtrückbau statt Abriss ...
Januar 2007 das Unwort des vergangenen Jahres: Freiwillige Ausreise .
Vom Westen rübergeschwappt die Präposition in 2006; in gibt räumliche Beziehungen an, 2006 reicht völlig. Also falsch, genau wie die Wendung "von daher" oft falsch gebraucht wird.
Vorsicht! Es geht hier nicht um Purismus. Mehr als 6000 Wörter aus der deutschen Sprache haben auch Eingang in andere Sprachen gefunden, wie kürzlich aus dem Sprachinstitut, München gemeldet wurde....Kindergarten, Butterbrot, Schlagbaum, Ersatzkaffee, Lederhose, Autobahn... und heute gar 'Kaffepausi' in Finnland.
März 2007 In einer Studie über die Schullandschaft: Schule wird mehr denn je als erster Verteilungsort auf der Karrierelaufbahn gesehen. Die ‘Kämpfe’ im Schulhaus werden reflektiert: Lehrer bashing, Lehrer slapping.
Wie's weitergeht? Schau'n mer 'mal! Du kannst die Liste mühelos fortsetzen. Bedenke aber auch:
Die Sprache ist ein unvollkommenes Werkzeug. Die Probleme des Lebens sprengen alle Formulierungen." Antoine de Saint- Exupery
SPD-Chef Kurt Beck, Dezember 2006 im Gespräch mit einem Arbeitslosen: "Wenn Sie sich waschen und rasieren, bekommen Sie auch Arbeit.!”
Egal, was er meinte und in welchem genaueren Zusammenhang das Gesagte stand:
Sprache ist etwas sehr Lebendiges, sicher! Und wir müssen doch nicht alles daransetzen, sie krankzumachen Du sprichst, wie Du denkst..
“Oder so!”
2007 Jahr der Sprache April 2007 : Konfliktpädagogik , haushaltsnahe Dienstleistung - supi (siehe Duden!)
Vom Reden
Da hält im April ein Landespolitiker eine Trauerrede. Er beschreibt in zwei Sätzen den Verstorbenen als weiß, obwohl er tiefbraun ist. Dann gibt’s einen Rüffel von der Bundeschefin, er nimmt alles mit Bedauern zurück und entschuldigt sich.
Was ist das? Dreistigkeit, politische Provokation, Dummheit, Berechnung, seine betroffen scheinende Rücknahme Unehrlichkeit ... ein Politiker oder sein Geisterschreiber als Rededödel und Spaßmacher oder Provokateure der deutschen Politik? Er bleibt im Amt, aber wo ist seine Würde?
Mai 2007 TV RBB “ es wird weitergetalk(t) ed” ein schönes Beispiel für Sprachveränderung - ja, wie schreibt man nun??? Oder ist das nur gedankenloser Gebrauch?
Man spricht von einer zukünftigen Herdprämie, die Hausfrauen bekommen sollen, wenn sie n i c h t arbeiten gehen.
Juni 2007 Eine Kommission hat Wörter aufgelistet, die im deutschen Sprachraum vom Aussterben bedroht sind ...Augenstern, Schnick-Schnack, Drei-Käsehoch, Schlüpfer, blümerant, Lichtspielhaus...u.a.
Im Zusammenhang mit der Europa-Tagung gibt es den Begriff Drei-Hemden-Verhandlung, man packt wegen der Läge der Gesprächsverhandlung ein Hemd mehr ein. Und hoffentlich gibt es kein Europa der zwei Geschwindigkeiten.
Juni 2007 Ein Journalist beschreibt, dass das Wort Einsatz in seiner tiefsten militärischen Grundbedeutung häufig gebraucht wird. Als Angela Merkel im Parlament neulich das Wort zum siebenten Mal brauchte, hörte er auf zu zählen.
( Siehe auch Dolf Sternberger, Gerhard Storz, Wilhelm Emanuel Süßkind “Aus dem Wörterbuch des Unmenschen”; Kommentare zu Begriffen, die in der nationalsozialistischen Propaganda eine herausragende Rolle spielten und in der Alltagssprache fortwirkten. Man merke an - bis 2007!
Juli 2007 Der Innenminister Wolfgang S. gebraucht mit (Vorliebe ? ): Gefährder, asymmetrische Kriegsführung, combattanten, targetted killing, Internierung...
August 2007 In der “Süddeutschen” las ich ein neues Verb: macGyvern: Ein Ziel erreichen mit den unmöglichsten Hilfmitteln, Mac Gyver macht das. Mit einem Kondom und Wasser Feuer machen. Wie? ‘mal nachdenken!
In Köthen findet ein Deutscher Sprachtag statt.In ‘einem Brief aus Belgien’ lesen wir: >
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Eine besonders schlüpfrige Spitze des Eisbergs der allgemeinen Anglomanie und Angloganz (richtig, das war eine Ableitung von Arroganz) ist die Anglizismenflut in unserer gegenwärtigen Sprache. Fremdsprachige Einflüsse sind nichts Neues und haben die Sprache im Laufe der Jahrhunderte bereichert. Aber Bereicherndes wirkt sich bekanntlich spätestens dann erstickend aus, wenn die verabreichte Dosis das Vertretbare übersteigt. Wir wollen sie hier nicht auflisten, die gut 6000 Anglizismen (G. Junker; R. Hoberg) im heutigen Deutsch, weil etwas Ungeheuerliches, Niedagewesenes der Fall ist: praktisch jedes deutsche Wort läßt sich inzwischen durch ein angelsächsisches ersetzen. Das ist keine Bereicherung, sondern Sterilisation. Stil ist heute wichtiger als Wissen und allgegenwärtig: im Parteipräsidium, in der Disko, in der Liebe, im Radrennfahren, nur nicht im Sprachverhalten. Für jede Einfallslosigkeit findet sich ein englisches Feigenblatt...< siehe GOOGLE , Uni Antwerpen, Sprachtag Köthen |
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Es geht also nicht um die Verteufelung des Anglizismus. Alarmierender ist eine Meldung, dass das Vokabular vieler deutscher Schüler nicht ausreicht, die Klassiker der deutschen Literatur im Original zu lesen!
Oktober 2007 TV “...der Vorschlag (SPD, ALG II) steht auf der Versammlung...” TV, Berlin, Lichtershow “...die Zuschauer können dann voten, welche sie am besten fanden...”
Es tagt eine Konferenz mit Sprachwissenschaftlern und Journalisten: Gibt es begründete Sorgen zum Sprachverfall? Berlin Brandenburgische Akademie der Wissenschaften “Der Mensch ist nur Mensch durch Sprache “
November 2007, Randbemerkungen: Wenn führende Mitarbeiter von VW nach Südamerika ins Bordell fliegen, dann ist das eine Lustreise. Der Innenminister sammelt vielleicht ab 2008 persönliche Daten als Vorratsdatenspeicherung. Wenn Katastrophen auch dazu ausgenutzt werden, Geschäfte zu machen: Katastrophenkapitalismus. Menschen , die trotz eines Einkommens noch staatliche Hilfe in Anspruch nehmen: Aufstocker.
Dezember 2007 Zum Wort des Jahres wurde Klimakatastrophe erhoben. Raucherkneipe ist da eher unbedeutend; im Dezember wurden auch die 2007-PISA- Ergebnisse veröffentlicht: Deutschland erhält wieder nur mittelschlechte Ergebnisse. Die Lesekompetenz und naturwissenschaftliche Kenntnisse sollten weit besser sein.
“Der Aufschwung ist unten angekommen”, sagt A. Merkel während des CDU Parteitags.
Die SPD muß sich neu sortieren. Die SPD entdeckt bei der FDP viele Schnittmengen. Die Noch-Ehefrau des baden-würtemb. Ministerpräsidenten hat seit geraumer Zeit eine aushäusige Liebesbeziehung.
Januar 2008 ...Wohlstandsverwahrlosung, Heuschreckenkapitalismus, Herdprämie Unwort des Jahres, Die Bundeswehr soll zu Kampfeinsätzen in Afghanistan norwegische NATO Truppen
entsetzen. Dazu gäbe es dann vom deutschen Parlament ein robustes Mandat. Hoffentlich nicht. Das ist ein Auftrag zum militärischen Eingreifen - Hand ab, Bein ab, Kopf ab. Laut nachgedacht: Die Freiheit Deutschlands wird auch am Hindukusch verteidigt. Verteidigung, das heißt: Abwehren von Angriffen auf eine eigen Stellung. Blättere ich im Geschichtsbuch zurück, stoße ich auf eine Vielzahl von solchen robusten Mandaten. Wie es mit Alexander dem Großen war, weiß ich nicht mehr so genau. Das Mandat, das Napoleon, der Große, seinen Generalen gab, wirkte irgendwo bei Borodino und Leipzig nicht mehr so richtig. Das von Adolf dem Großen hatte bei Stalingrad ausgedient, das der Engländer in Afghanistan wurde auch nicht umgesetzt. Lies ‘mal die Ballade von
Theodor Fontane: Das Trauerspiel von Afghanistan ( siehe google), die Sowjet-Russen sind gerade nur so über den Hindukusch wieder nach Hause gekommen aus Afghanistan (Siba Shakib, Nach Afghanistan kam Gott nur noch zum Weinen), die Franzosen in Indochina hatten ein Mandat, Amerikaner in Vietnam hatten eins, das robuster nicht sein konnte, im Irak scheinen nun alle Seiten nach einem robusten Mandat zu handeln, Israel und die Hamas streichen sich auch nicht liebevoll über’s Haar, nicht auszudenken, wenn das Bushfeuer aus dem Irak nach Iran brennt.... Wenn Putin seine Raketen auf Polen ausrichtet? Nicht auszudenken! Und wie sind a l l e diese robusten Mandate erfüllt worden? Was 2050 wohl im Geschichtsbuch stehen wird? ‘Krieg und Frieden’ - eine ewige Geschichte?
Von JOKERS Weltbild kommt diese email, 8. Mai 2008: “
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“...das Goethe-Institut und der Deutsche Sprachrat hatten aufgerufen, die schönsten "eingewanderten Wörter" zu küren. Jetzt stehen diese fest und ich will sie Ihnen hier kurz vorstellen:
Auf Platz 1 gelangte das Wort "Tollpatsch". Es wurde im 17. Jahrhundert aus Ungarn entlehnt. Ursprünglich hiess es "talpas", bedeutete breitfüßig und meinte die ungarischen Fußsoldaten. Platz 2 wurde der "Currywurst" eingeräumt. Seit den späten 40er-Jahren serviert man die deutsche Wurst mit dem Curry-Gemisch, das seine Wurzeln in der Tamilsprache Südindiens hat. Auf Platz 3 ist der "Engel" gelandet, der einst als griechischer "angelos" (Bote) startete....”
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Im FunkAmateur - Frühjahr 2008 - gibt es ein Editorial über Anglizismen in der deutschen Sprache. Der Autor beruft sich auf ein Buch, das beschreibt, welche davon gut und gerne vermeidbar wären.
Im Januar 2008 veröffentlicht “bild der wissenschaft” einen Artikel von Tina Suchanek : ‘Die Amtsmännin als Reisegästin”, Untertitel ‘ Die Gleichberechtigung von Mann und Frau: ein schwieriges Geschäft.
Was auf den ersten Blick nur wie ein Unternehmen feministischer Linguisten aussieht, die gesellschaftliche Situation der Frau durch Sprachregeln aufzuwerten und als nebensächliche Reform so wie die Sprachreform , ist auf den zweiten Blick nichts anderes als Ausdruck gesellschaftlicher Verformung.
Erinnern wir uns: In der DDR gab es den Begriff der Gleichstellung der Frau, auch wenn er stark von Maskulinem aus dem Politbüro geprägt war. Ideologisch gab es diese Gleichstellung als Programm, politisch sollte Frau für das System gewonnen werden und ökonomisch war sie Arbeitskräftepotential. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie sagte, sie sei Traktorist oder Direktor. Sie hätte auch TraktoristIn oder DirektorIn sagen können, man hätte etwas verwundert geguckt. Sie bekam das Gehalt wie der männliche Kollege, und ein gutes System von Krippen, Kindergärten, Hort und Schule machte es erst möglich, dass sie arbeiten konnte. Das alles war nicht perfekt, wurde aber nicht durch die Sprache geschaffen. Diese Entwicklung einer verwirklichten Emanzipation wurde 1989 gestoppt. Die Forderung nach Emanzipation, gerechter Demokratie, einem tragfähigen Bildungssystem - das wird in Deutschland Programm für das nächste Jahrhundert bleiben. Insofern ist die wissenschaftliche Arbeit oben genanter Linguisten lobenswert. Sie müssen den Hebel zur Veränderung nur nicht an der Sprache ansetzen. Wo wohl?
Mai 2008 Der Sprecher A.W. zum Wetterbericht im RBB sagt, dass man “an der Bar gut chillen” könne. Wieder ein Wort in der Müllbox der deutschen Sprache ? Schade, dass diese nicht einfach vomitten kann, um so etwas abzustoßen.
Nachbetrachtung: Nein, es geht wirklich nicht um Purismus in der deutschen Sprache. Der Streit um ihre Reinhaltung ist wahrscheinlich so alt wie sie als Kultursprache wahrgenommen wird. Die Sprache wird natürlich von der Umwelt beeinflusst.
Ein Döner wird bestimmt nicht umbenannt werden zu ‘geschnitzeltes Spezialfleisch im Fladenbrot’ oder “Speicherstick” wird nicht mehr ‘umgedeutscht’ werden. Und wer weiß, in hundert Jahren sprechen wir manches vielleicht Chinesisch ?? Man kann sich ja selbst eine Antwort geben, warum einem die deutsche Sprache wichtig ist und warum man sie pflegen soll!
Siehe: Bartzsch, Pogarell, Schröder: Wörterbuch überflüssiger Anglizismen ISBN 978-3-931263-87-4 Da kommt doch die Razzia der Polizei im Juli 2009 in einigen flat rate Bordells gerade richtig.
Juli 2008: In Dresden findet die ‘Olympiade der Deutschen Sprache ‘ statt. In den letzten Jahren war das internationale Interesse an der deutschen Sprache zurückgegangen. Diese Veranstaltung wird von deutschen Lehrerverbänden unterstützt.
Im EULENSPIEGEL 8/08 ist ein Artikel von Ernst Röhl über weitere Beispiele für sinnlose Anglizismen, vom McClean Center - Bahnhofsklo zu DB-Lounge für Wartesaal oder die Losung einer Kosmetikfirma Come in and find out. “Dies übersetzt sich der polyglotte Globetrottel bereitwillig ins Deutsche: Komm’ rin und finde wieder raus!” Lesenswert! “Schlechtes Englisch”, sagt der Berliner, “ is det beste Deutsch.” (Eulenspiegel, 8/08, Röhl, Seite 6)
August 2008 In Bayern ist Wahlkampf. Die Grünen zeigen eine muskulöse Frau auf ihrem Plakat, Ärmel aufgekrempelt. Überschrift: “We can do it!” Doa legst di down !
In der Werbung zu kosmetischen Produkten findet man natürlich die tollsten Werbesprüche und Produktbezeichnungen. Kaufen Sie einfach Vanish Oxi Action Intelligence Power Weiß. Wetten, dass man in wenigen Minuten eine ellenlange Liste mit solchen Bezeichnungen zusammenbekommt?
Gute Nachricht. ND, 23. August 2008: “Behörde will einfacher formulieren”. Die Zeitung berichtet, dass der Kreis Göttingen eine verständlichere Verwaltungssprache einführt. Ab September sollen Schriftstücke “systematisch bearbeitet werden”. Bis 2009 soll es Ergebnisse geben. So soll z.B. umformuliert werden: “Sollte das Fahrtenbuch nicht ordnungsgemäß geführt werden, stellt dies eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld geahndet werden kann.” Neu: “Sollten Sie Ihre Fahrtenbücher nicht wie vorgeschrieben führen, kann Ihnen ein Bußgeld auferlegt werden.”
“Wer das Ziel kennt, kann entscheiden. Wer entscheidet, findet Ruhe. Wer Ruhe findet, ist sicher. Wer sicher ist, kann überlegen. Wer überlegt, kann verbessern.” Konfuzius
Hier ein Text aus dem Juristendeutsch, Vertragstext zur Riesterrente:
“ Kündigen Sie Ihre Versicherung, so wird gemäß §176 Versicherungsvertragsgesetz der Rückkaufswert nach den anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik für den Kündigungstermin als Zeitwert Ihrer Versicherung berechnet, wobei derselbe Abzug erfolgt, der bei einer Beitragsfreistellung nach §6 Ziffer 1 vorgenommen würde. Beitragsrückstände werden hierbei berücksichtigt. Bei beitragsfreien Versicherungen wird kein Abzug vorgenommen. Der Rückkaufwert erreicht ...usw “
Na, alles verstanden? Weiter unten stehen einige Bemerkungen zum Begriff ‘Freiheit’. Dort und in diesem Text hier wird deutlich, dass es nicht nur um Fachbegriffe geht, die einen Text verständlich machen oder unverständlich. Genauso wichtig sind die Erfahrungen und das Vor- Wissen, die ein Leser hat. Das ist ein sogenanntes Kontextwissen, anaphorisches Wissen. Wenn ein Leser das hat, versteht er auch, unter welchen Bedingungen der Begriff ‘Freiheit’ falsch gebraucht oder missbraucht wird. Man muss sich auf vorher Gesagtes, auf Erkanntes beziehen können.
Das, was schon im Kopf ist, bestimmt auch das Verständnis wesentlich mit.
Fundstücke Sommer Herbst - 2008: Schild am Geschäft fashion event Buddelei Werbung rent a Hänger Ein neues Verb chillen
Januar 2009 Das Unwort des Jahres 2008 ist notleidende Banken Juli 2009 Die Bundeswehr kämpft mit 300 Soldaten in Afghanistan. Der Verteidigungsminister nennt das Stabilisierungsmaßnahmen.
Differenzierung im Wortschatz: Kosmonaut, Astronaut, und seit 2008 gibt es den Tainaut.
Bundestagswahl 2009 CDU/CSU plus FDP “Könnten Wahlen etwas verändern, würde man sie verbieten” ( Rosa Luxemburg)
November 2009 Der Mauerfall spielt in den Medien in diesen Wochen d i e Rolle. Der Begriff Freiheit nimmt eine zentrale Stellung ein.
In der Radiozeitung: Hier erleben sie die Freiheit des Digitalfunks... Ein Fluglehrer: Fliegen ist Freiheit... Der neue Verteidigungsminister: Unsere Soldaten verteidigen in Afghanistan die Freiheit... 1848: die Forderung nach Freiheit... Ablauf der Untersuchungshaft: Endlich frei... Literatur:“ Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben, der täglich sie erobern muss...” “...auf freiem Grund mit freiem Volke...” (Goethe) Schon für Philemon und Baucis im Faust hatte der Begriff in seiner praktischen Wirkung dann eine ganz andere, fatale Bedeutung !! Presse: Freie Marktwirtschaft Doppelt-zynisches KZ : Arbeit macht frei Unsere Studenten fordern im November ‘freie Bildung’
ISBN 978-3-426-78098-5 Siehe dazu auch Seite 143 ff Das kostbare Gut Freiheit
Wie definiert man denn nun den Begriff Freiheit? Wer definiert ihn wie? Countertenor Jochen Kowalski sagt in einem Interview ( ND 14.11. 2009, S.19) : “...es geht wahrscheinlich um ein generelles Lebensproblem der kapitalistischen Gesellschaft. Die FREIHEIT erweist sich als Verbannung, du wirst daran gewöhnt, überall nur Konkurrenten zu sehen, das brachte die Bindungen in Verruf, den Gemeinsinn. Man möchte gern zu irgendwas dazugehören, man möchte aufgehen in einer Gemeinschaft, aber du wirst nur immer gewarnt, bloß nicht in die kollektive Falle zu tappen. Für nichts ist mehr Ruhe, Zeit und die nötige Freiheit von Druck da. Man hat Angst, nicht mehr besetzt, gar entlassen zu werden, die Menschen sind in einem erbärmlichen Maße damit beschäftigt, sich wichtig und unentbehrlich zu machen. Das ist doch irre: Alle fühlen sich frei, und jeder geht zum Psychiater .”
Ach, ist ja interessant.
Antje Vollmer schreibt in der Berliner Zeitung (Überschrift. “Triumph der Unbedarftheit: Angela Merkel sollte sich eine Pause im Pathoskitsch gönnen...”) am 19. November über Angela Merkel und ihre Selbstinszenierungen auch bei der Rede vor dem amerikanischen Parlament und Obama, der meint.: “...Wenn diese Frau aus Brandenburg heute hier steht, beseelt von der Kraft der Freiheit, was in der Welt sollte noch unmöglich sein?!? Neun Minuten Beifall für Angela! Und zum Dessert gab es :” ...etwas Süsses, “Freiheit”. Und es erklang natürlich auch die Ode an die Freiheit.... ein ganzes Bündel also von Freiheits- Bildern.
Ein christlicher Wanderprediger im Mittelalter, Goethe und Voltair, Marx, Luxemburg und ein arbeitsloser Akademiker oder ein Hartz-IV-Empfänger heute werden ganz unterschiedliche Vorstellungen zum Begriff haben.
Hüten wir uns, ihn einfach so in inflationärer Bedeutungslosigkeit vor uns hinzuplappern. Man muss genau hinhören und sehen, damit man Ernsthaftes von oberflächlichem, phrasenhaften Mikrofon- und Papiergewäsch und Geschwätz unterscheidet.
Ich nehme mir die Freiheit, darauf hinzuweisen: Also lohnt es sich, über den Begriff erstmal nachzudenken, dann genau hinzusehen, w e r ihn benutzt.
Aus der Regierungserklärung von Angela Merkel, Koalition CDU/CSU und FDP, Nov. 2009:’
Anmut sparet nicht noch Mühe, Leidenschaft nicht noch Verstand, daß ein gutes Deutschland blühe, wie ein andres gutes Land.
Daß die Völker nicht erbleichen wie vor einer Räuberin, sondern ihre Hände reichen uns wie andern Völkern hin.
Und nicht über und nicht unter andern Völkern wolln wir sein, von der See bis zu den Alpen, von der Oder bis zum Rhein.
Und weil wir dies Land verbessern, lieben und beschirmen wir's. Und das liebste mag's uns scheinen so wie andern Völkern ihrs.
Uuups! Angela? Muss ich ‘ was verwechselt haben. Ist doch Kinderhymne von Brecht.
Ein toller Text. Er passt schon hier in die Sprachrubrik. Hat der geneigte Leser ‘mal versucht, die Zeilen auf die Melodie der ex DDR Hymne zu summen? Und nun probiere er es mit der Melodie “Einigkeit und Recht und Freiheit...” Na? F r e i h e i t ! Damals, als d e r Text entstand, den die BRD Hymne heute hat, war das ein hehrer Begriff, nicht ein dahergeredetes Füllwort!
Sicher haben die Wissenschaftler das Thema auch im Lied entdeckt: Spaniens Himmel.... “Freiheit” im Refrain, “ Die Gedanken sind frei...” und das Lied “Brüder zur Sonne zur Freiheit...” Welche Freiheit meinen die SPD Genossen denn heute damit? FDP ! Wovon ‘frei’? Wie sich der Begriff im Laufe der konkreten geschichtlichen, sozio-polit-kulturellen Hintergründe wandelte!
November 2009 Kopfpauschale Warum nur erinnert mich das Wort sofort an “Kopfjäger”?
Wachstumsbeschleunigungsgesetz, ereignisorientierte Instandsetzung für den Betrieb von Chemieanlagen bis sie zu Bruch gehen und dann notdürftig geflickt werden... Nichtwähler als stärkste Fraktion, Vollbeschäftigung, PIsa-Ranking, Reformer und Blockierer, Abweichler, dynamische Aufsteiger, islamische Terroristen, Chancengerechtigkeit, soziale Wertekompetenz, Kompetenzteam, Bildungsbürger - Unterschicht, Frequenzschutzbeitragsverordnung... Die Konjunktur springt an.
Wort des Jahres - Jugendsprache: Hartzen , von Hartz IV ! ! Rumhartzen.
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